2006 Digital Space | Internationaler studentischer Workshop in Rom

 

Als Bestandteil des Entwurfs [digital_space] Rom-253 am Lehrstuhl Informatik in der Architektur reisten 11 Studenten der Bauhaus-Universität zusammen mit Prof. Dirk Donath und den wissenschaftlichen Mitarbeitern Katharina Richter und Christian Bauriedel nach Rom, um am Workshop Rehabilitation and Reuse of the Angelo Mai Garden teilzunehmen, der von der Fakultät Architektur der Universität Roma Tre organisiert wurde. Die 97 Teilnehmer setzten sich neben den Bauhaus-Studenten aus 45 italienischen Studenten, sowie 41 Erasmus-Studenten aus ganz Europa zusammen.


Thema
Zentrales Thema des Workshops waren die Ideen des Mathematikers und Architekten Christopher Alexander, mit Focus auf dessen Werk a pattern language. Darin entwickelt er eine Mustersprache für die Bauplanung, indem er für die einzelnen Bereiche die so genannten Pattern (Muster) formuliert, die untereinander hierarchisch gegliedert und miteinander verknüpft werden, so das daraus eine individuelle Entwurfsmethodik abgeleitet werden kann. Dabei stehen weniger formale Aspekte im Vordergrund als vielmehr die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Menschen.

Ort
Ziel des Workshops war ein Entwurf für den historischen Klosterkomplex Angelo Mai, der sich im Rione Monti befindet, das in unmittelbarer Nähe des Forum Romanum und des Colloseums im historischen Zentrum Roms liegt. Der Komplex besteht aus einem großen Garten, der von einer Kapelle, einer Schule und einer ehemaligen Umspannstation umschlossen wird. Besonders der Garten besitzt großes Potential, ein Zentrum für das Viertel zu werden. In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Konflikte zwischen einer Gruppe Künstler, die sich den Ort angeeignet hatte und den Bewohnern des Viertels. Zudem stieg der Handlungsbedarf durch die Baufälligkeit der Gebäude, die zum Teil informell bewohnt wurden. Eine besondere Herausforderung für die Planung stellen die Ausgrabungen dar, die sich unter dem Komplex verbergen und zum Teil schon zugänglich gemacht wurden.

Aufgabe
In einer vorangegangen Entwurfsphase der Universität Roma Tre wurden zwei Visionen formuliert, die die mögliche zukünftige Nutzung und bauliche Gestalt des Angelo-Mai-Komplexes beschreiben:

In Vision 1 ist der Park ein lebendiger Treffpunkt für die Bewohner und Besucher des Viertels mit Sport- und Spielstätten, einem Künstlermarkt und Theater.

Als ruhige Insel in der hektischen Großstadt, als Grüne Oase und Rückzugsort sieht Vision 2 die Zukunft des Komplexes.

Die Aufgabe für die Teilnehmer des Workshops bestand darin, die beiden bislang nur konzeptuellen Visionen unter Verwendung der Alexanderschen Pattern Language in konkrete architektonische Entwürfe zu übersetzen.

Teil 1 Theorie
Am ersten Tag des Workshops wurden wir von Professor Alessandro Giangrande und Prof. Elena Mortola durch das Viertel Rione Monti geführt, das schon seit längerer Zeit Gegenstand von Untersuchungen und Planungen des Institutes für Stadtentwicklung der Universität Roma Tre ist. Ein akutes Problem des Viertels ist die fortschreitende Gentrifizierung, die vor allem die seit Generationen verwurzelten Bewohner zum Wegzug zwingt, was die Bevölkerungsstruktur und die Identität des Viertels nachhaltig verschieben wird. Umso mehr kann ein Projekt wie der Angelo-Mai-Komplex als neues kommunikatives Zentrum zur Identitätsstiftung für ein verändertes Viertel beitragen.

Die Theorie stand im Mittelpunkt zweiten Tages. Zunächst führte uns Prof. Elena Mortola in die Entwurfsaufgabe ein und stellte uns die Ergebnisse der vorangegangenen Projekte vor. In seinem Vortrag über Christopher Alexanders Werke A Pattern Language und The Nature Of Order machte uns Prof. Alessandro Giangrande mit der Theorie der Pattern und Centers und deren Anwendungsmethodik vertraut. Prof. Dirk Donath beschrieb in seinem Vortrag pattern language in virtual environment das Potential der Alexaderschen Mustersprache für die digitale Planung und präsentierte Studentenarbeiten, die einzelne Pattern in virtuelle Räume transferierten. Den Abschluss bildete Prof. Andrea Monata von der Universität Sapienza mit einem bilderreichen Vortrag über szenografische Architektur.

Am Ende des Tages wurden für den folgenden praktischen Teil des Workshops aus den knapp 100 Teilnehmern 8 Gruppen gebildet, die jeweils einen Bereich des Komplexes in einer der beiden Visionen umsetzen sollten.

Teil 2 Entwurf
Der dritte Tag begann wie alle folgenden mit einem sog. Perception-Workshop, bei dem wir in verschiedenen Übungen die Wahrnehmung unserer Umgebung auf verschiedener Ebene veränderten, um so unerkanntes zu entdecken und verborgenes aufzuspüren. Die erste Aufgabe bestand beispielsweise darin, auf einer Karte des Rione Monti unsere subjektiven Eindrücke der Orte und Wege zu visualisieren. Dabei entstanden unterschiedliche Karten, die jeweils die individuell wahrgenommenen Parameter des Viertels zeigten. Bei einer weiteren Übung führten wir jeweils einen Partner mit geschlossenen Augen durch das Viertel, der nur auf Geheiß die Augen für einen Augenblick öffnete, um einen fotografischen Ausschnitt der Umgebung zu erfassen.

Ziel des dritten und vierten Tages war die Erarbeitung und Präsentation erster Entwurfsideen in Gruppenarbeit. Die erste Hürde war dabei, eine gemeinsame Kommunikationsform innerhalb der multinationalen Gruppen zu finden. Aufgrund der kurzen Zeit und der Komplexität der Aufgabe war es nicht leicht, konzentriert und zielgerichtet zu entwerfen. Umso interessanter war die Zusammenarbeit mit Studenten anderer Nationalitäten und die Diskussionen innerhalb der Gruppen. Am Abend präsentierten jeweils zwei Vertreter der Gruppen die Ergebnisse den anderen Teilnehmern des Workshops.

Teil 3 Hypertext und Installation

Die Aufgabe zur Endpräsentation war zweigeteilt: Ein Teil der Gruppe sollte in einem Hypertext den Gruppenentwurf vertiefen und anschaulich machen, der andere Teil konnte in einer Installation die Entwurfsidee räumlich erfahrbar machen. Stellvertretend für die unterschiedlichen Orte im Angelo-Mai-Komplex wurden Orte im Gebäude der Universität gewählt, so wurde etwa der Innenhof zum Garten, die Dachterrasse stand für das Café. Jeder Gruppe wurde von den Betreuern die gleiche Menge an Material zugeteilt. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass sich immer zwei Gruppen, die den gleichen Sektor, aber unterschiedliche Vision bearbeitet hatten, jeweils Ort und Material teilen mussten. Jede Gruppe sollte zudem für die Präsentation eine Performance erarbeiten, die den spezifischen Charakter des Entwurfs zum Ausdruck bringt.

Die Präsentation der Ergebnisse vor den Workshopteilnehmern fand nach einer intensiven Arbeitsphase am Freitag Abend statt. Alle Gruppen hatten sich entschieden Als Hypertext die Entwurfsergebnisse als kurzen Film zu präsentieren.

Für den Samstag Abend wurden die Bewohner des Rione Monti in das Universitätsgebäude eingeladen, um Ihnen im Rahmen einer Feier die Ergebnisse des Workshops zu präsentieren. Es wurden ein Buffet und Getränke bereitgestellt, es gab Live-Musik und eine Erzählperformance. Die Bewohner des Viertels kamen zahlreich um sich die Ideen für "ihr" Angelo Mai anzusehen und mit den Studenten und Lehrenden die Ergebnisse zu diskutieren. In der anschließenden Party fand der Workshop einen gelungenen Abschluss.

 

Mehrere Bilder finden Sie unter MAI Workshop's photos

e-mail: caad@archit.uni-weimar.de